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Kollegiaten
  • mgr Katharina Anna Aubele

2004-2010 Studium der Geschichte Ost- und Südosteuropas, der Neueren und Neuesten Geschichte und der Volkswirtschaftslehre an der LMU München sowie an der Staatlichen Immanuel-Kant-Universität Kaliningrad. Herbst 2010 bis Frühjahr 2011 Mitarbeit im Collegium Carolinum, der Forschungsstelle für die Böhmischen Länder. Seit April 2011 Promotion zu Vorstellungswelten und politisches Engagement vertriebener Frauen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland. Das Projekt wird betreut von Prof. Dr. Martin Schulze Wessel und finanziert vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Rahmen des universitären Förderprogramms „Erinnerung und Identität. Die Deutschen und ihre Nachbarn in Mittel- und Osteuropa."

 

Betreuung: Prof. Dr. Martin Schulze Wessel

Förderung: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Förderprogramm "Erinnerung und Identität. Die Deutschen und ihre Nachbarn in Mittel- und Osteuropa".Das Forschungsvorhaben, das frauen- und kulturgeschichtliche Fragestellungen miteinander verbindet, widmet sich den Lebenswelten und politischen Handlungsmöglichkeiten vertriebener Frauen nach ihrer Ankunft in den Westzonen bzw. der Bundesrepublik Deutschland bis Ende der sechziger Jahre. Ausgangspunkt des Projektes ist der Umstand, dass die Vertreibung weitgehend eine spezifisch weibliche Erfahrung war. Während viele Männer noch in Kriegshandlungen verwickelt waren oder sich bereits in Kriegsgefangenschaft befanden, waren Frauen unmittelbar von Flucht und Vertreibung betroffen und gelangten zusammen mit ihren Kindern und älteren Verwandten in die spätere Bundesrepublik. Von der Forschung wurden die Heimatvertriebenen bislang nur unter regionalen Gesichtspunkten untersucht, entweder gegliedert nach ihren Herkunfts- oder nach ihren Ansiedlungsgebieten in der Bundesrepublik. Hier setzt das Dissertationsprojekt an, indem es in Abkehr von geographischen Gesichtspunkten gezielt die Wahrnehmungen und das Wirken vertriebener Frauen untersucht.

Die (Gewalt-) Erfahrungen von Flucht und Vertreibung waren für die Frauen prägend und wurden zu einem alles auf sich beziehenden und beeinflussenden Schlüsselerlebnis ihrer Biographien. Sie ermöglichten ihnen jedoch auch eine verstärkte Identifizierung sowie ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, grenzten sie aber gleichzeitig zu den Frauen der Aufnahmegesellschaft ab. Die Freundes- und Bekanntenkreise waren in der Regel bis auf wenige Ausnahmen auf andere Vertriebene beschränkt.

Die Beweggründe und die Entwicklung von Engagement und Aktivitäten vertriebener Frauen werden in drei Bereichen untersucht, in denen auch die Selbstbeschreibung der Frauen und die zeitgenössische Außensicht auf sie rekonstruiert werden:

(1) Im politischen Bereich wird das Wirken vertriebener Frauen in Parteien, Vertriebenenverbänden und in der Kulturpolitik untersucht.

(2) Auf religiös-institutioneller Ebene sollen die weiblichen Aktivitäten in Kirchengemeinden Gegenstand der Betrachtung sein, konnten vertriebene Frauen doch auf die trotz des Krieges noch intakten und nicht vom Koalitionsverbot betroffenen Strukturen der Kirchen zurückgreifen und somit als Erste Hilfsmaßnahmen initiieren.

(3) Der private Bereich betrifft den Großteil der vertriebenen Frauen, die weder politisch noch kirchlich aktiv waren. Sie waren die Adressatinnen der Kulturpolitik und ihnen kam die Unterstützung durch die kirchlichen Hilfsstellen zugute. Im Privaten kümmerten sie sich verstärkt um Familie und Haushalt. Gerade diese Frauen waren für die Erhaltung und Pflege kultureller Traditionen ihrer alten Heimat von großer Bedeutung.

 

  • mgr Andrzej Ceglarz

Geb. 1987 in Wałbrzych. 2006-2009 Studium der Internationalen Beziehungen an der Universität zu Breslau (BA). 2009-2011 Studium der Internationalen Beziehungen an der Universität zu Breslau (MA). Auslandsaufenthalt an der Otto von Guericke Universität in Magdeburg (Wintersemester 2008/2009). Magisterarbeit zum Thema „Konflikt der Interesse zwischen ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates am Beispiel von dem Krieg in Irak“, Betreuer: Prof. Dr. habil. Maciej Mróz. Während des Studiums Leiter der Studentenforschungsgruppe für die Europäische Integration und erster Vorsitzender der GFPS-Polska (Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa).
Seit Oktober 2012 Promotion zum Thema „Umwelt-, Klima- und Energiepolitik Deutschlands in den Jahren 1998 – 2013“, Betreuer Prof. Dr. Ireneusz Karolewski.

 

Betreuung: Prof. Dr. Ireneusz Karolewski

Der Klima- und Umweltschutz gehört gegenwärtig sowohl auf internationaler Ebene als auch in der Innenpolitik der meisten Staaten zu den meist diskutierten Fragen. Unter den Ländern der Europäischen Union scheint die Bundesrepublik Deutschland einer der größten Befürworter für Klimaschutz zu sein und setzt gleichzeitig auch auf der innenpolitischen Ebene Maßnahmen gegen den Klimawandel wirksam und konsequent um. Diese Handlungen finden in der öffentlichen Meinung eine breite Akzeptanz, markieren einen neuen Diskurs in der Politik, bilden neue Formen internationaler Tätigkeiten (Klimadiplomatie) und sind Gegenstand von zahlreichen Nichtregierungsorganisationen und Aktivisten.

In Deutschland wird schrittweise Abstand von Atomenergie genommen und immer stärker in Erneuerbare Energien investiert. Der Umweltschutz, darunter auch der Klimaschutz, ist als ein Staatsziel im Artikel 20 a des Grundgesetzes festgelegt. Darüber hinaus befindet sich in Deutschland (Bonn) das Sekretariat der Klimarahmenkonvention. Die Umweltproblematik erscheint häufig in den Medien und treibt die öffentliche Debatte nicht nur im Kontext eventueller Gefahren für die Umwelt (darunter auch das Klima) voran, sondern auch die Frage zur Rolle Deutschlands auf internationaler Ebene. Die Pioniertätigkeit macht Deutschland in diesem Bereich zum Anführer für juristische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandlungen. Zu sehen ist dies ebenfalls in Bezug auf die Klimapolitik der Europäischen Union, welche eine von wenigen Bereichen ist, in denen die EU eine weltweite Vorreiterrolle anstrebt.

Darüber hinaus ist diese Thematik von Interesse, da die Anwesenheit so vieler verschiedener Akteure einen interdisziplinären Charakter verleiht. Es ist schwierig, einen Tätigkeitsbereich zu finden, welcher Gegenstand der Welt der Wissenschaft auf universitärer Ebene, von Unternehmen, Technologiebranchen, Nichtregierungsorganisationen, vieler Think-Tanks, Politikern, Ökologen und Ökonomen ist. Dies wird durch eine Reihe von Regierungsinstitutionen und Ministerien bestätigt, welche sich den Klimaveränderungen und dem Klimaschutz widmen. Die Klimapolitik liegt in Deutschland in direkter Verantwortung der Bundesregierung (Strategie für nachhaltige Entwicklung) und dem  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, welches in spezifischen Fragen eng mit dem Bundesministerium des Innern, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und dem Auswärtigen Amt zusammenarbeitet. Dazu kommt eine Anzahl von kooperierenden Institutionen mit konkreten Ressorts (u.a.  Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Umweltbundesamt oder Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen), politischen Stiftungen (u.a.  Heinrich Böll Stiftung, Konrad Adenauer Stiftung) oder auch beratenden Einrichtungen (u.a. Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.).

Mit dem Blick auf die Anzahl der Beteiligten scheint die deutsche Klimapolitik ein interessantes Forschungsobjekt zu sein. Das Thema der Doktorarbeit ist die Klimapolitik der Bundesrepublik Deutschland während der Jahre 1998-2013. Die Klimapolitik wird in diesem Fall auf zwei Ebenen untersucht – sowohl im Bezug auf die nationale Politik und die den Klimaschutz betreffenden Rechtsakte, als auch auf das internationale Wirken deutscher Klimapolitik. Der Untersuchungszeitraum wurde gezielt bis 2013 verlängert, um die mit dieser Politik verbundenen Informationen systematisch aktualisieren zu können und um den Regierungszeitraum einer Kanzlerin zu betrachten. Da gegenwärtig noch keine kompakte wissenschaftliche Ausarbeitung über die angesprochene Thematik erschienen ist, kann die Arbeit zum Füllen der thematischen Lücke auf diesem Gebiet beitragen.

 

  • mgr Mateusz Matuszyk

Geb. am 29. Mai 1987 in Strzelce Opolskie. Absolvent des Lyzeums in Zawadzkie (I Liceum Ogólnokształcące im Mieszka I, Zawadzkie). 2006-2009 Studium der Geschichte an der Universität zu Breslau (BA). 2009-2011 Studium der Geschichte an der Universität Wrocław (MA). Magisterarbeit zum Thema „Die Kriminalität im Kreis Kattowitz in den Jahren 1900-1920“, Betreuer: Prof. Dr. habil. Marek Czapliński. Stipendiat der GFPS Polska an der Humboldt Universität zu Berlin (2011). Während des Studiums Leiter der Studentenforschungsgruppe für Geschichte. Seit Oktober 2011 Promotion zum Thema „Geschichte der Landsmannschaft Schlesien 1952-1991“, Betreuer Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz (Universität Wrocław).

 

Betreuung: Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz


Nach dem Zweiten Weltkrieg fand fast eine halbe Million der vertriebenen Schlesier Zuflucht in Bayern. Dort  entstanden die ersten die ehemaligen Bewohner Ober- und Niederschlesiens vereinigenden Organisationen, die sich zum Ziel setzten, die eigene regionale Identität aufrechtzuerhalten und die schlesische Kultur und Tradition zu verbreiten. 1948 wurde der erste legale Bund der Schlesier unter dem Namen Schlesierverband Bayern ins Leben gerufen. Die neue Organisation wurde ganz schell zum Vorbild für ähnliche Initiativen in der ganzen Bundesrepublik Deutschland. Zwei Jahre später gründeten die Organe der zehn lokalen Bünde einen bundesweit handelnden Verein, Landsmannschaft Schlesien – Nieder und Oberschlesien, der zur offiziellen Repräsentation der Vertriebenen und Umsiedler aus Schlesien wurde. Im Jahr 1957 tritt die Landsmannschaft Schlesien gemeinsam mit neunzehn anderen Vertriebenenverbänden dem Bund der Vertriebenen bei. Demzufolge begann die Tätigkeit des Verbands sowohl in Deutschland als auch in Polen Kontroversen zu erregen. Unter den Organisationsmitgliedern waren immer häufiger Rufe zur Revision der Oder-Neiße-Grenze und Vermögensansprüche dem polnischen Staat gegenüber zu hören. Nach dem Fall des Kommunismus und dem Beitritt Polens zur EU sollten die Revisionsstimmungen und Ansprüche an Polen wohl sinken. Das Thema um den Vertriebenenverband kehrt  jedoch zur öffentlichen Debatte um die deutsch-polnischen Verhältnisse hin und wieder zurück. Die heutige polnische Historiografie verfügt leider über keine wissenschaftliche Bearbeitung, die der Diskussion um den Bund der Vertriebenen einen akademischen Charakter verleihen würde. Das Projekt der vorliegenden Dissertation soll daher ein Versuch, der diese Lücke füllt. Die Hauptaufgabe dieser Arbeit ist die Darstellung der Geschichte des schlesischen Vertriebenenverbands in den Jahren 1952-1991 durch das Prisma von Biografien der Spitzenreiter der Organisation. Darüber hinaus strebt das Projekt an, das politisch-kulturelle Porträt des Verbands anzufertigen und seine Rolle in den polnisch-deutschen Beziehungen darzustellen.

 

  • mgr Milena Migut

Geb. 1984 in Świdnik (Polen). 2003-2009 Studium der Kulturwissenschaften und Polnisch als Fremdsprache an der Maria Curie-Skłodowska Universität in Lublin. 2003-2009 Mitarbeiterin im Kulturzentrum „Brama Grodzka” in Lublin. In diesem Zusammenhang Tätigkeit als Koordinatorin polnisch-israelischer Jugendprojekte. Seit 2010 Koordinatorin deutsch-polnischer Jugendprojekte bei der Jugendbildungsstätte Ludwigstein. Seit 2012 als Lehrerin in den Fächern Polnisch, Kunst und Englisch an einem Berliner Gymnasium tätig. Mitglied im „Internationalen Netzwerk des Lehrens und Lernens Kreisau-Fellows des George Bell Instituts“. In diesem Zusammenhang Forschungsaufenthalte an der Universität von Tel Aviv.


Betreuung: Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz

Die lineare Eigenschaft der Zeit stellt die Geschichtspädagogik vor einer besonderen Herausforderung. In naher Zukunft werden auch die letzten Zeitzeugen, die über die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges berichten können, verstorben sein. Damit entfällt die Möglichkeit, den jüngeren Generationen unmittelbares Erfahrungswissen aus dieser Epoche zu präsentieren und zu vermitteln. Das betrifft auch dasjenige Erfahrungswissen derjenigen Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges Bürger jüdischen Glaubens bzw. solche die dazu gemacht wurden, gerettet haben. Diese Zäsur in der Vermittlung historischen Wissens verlangt zwingend neue pädagogische Lehrmethoden zum Thema der Judenrettung und der Zivilcourage. Während der letzten 15 Jahre wurden solche Lehrmethoden (Lehrmaterialien, Unterrichtskonzepte, Ausstellungen, Workshops für Jugendliche, etc.), sowohl in Polen als auch in Deutschland entwickelt, jedoch fehlt bis heute eine Beschreibung, Analyse und ein Vergleich dieser neuen pädagogischen Formen und Medien.

Ausgehend von diesem beschriebenen Problemzusammenhang untersucht das Forschungsprojekt, welche Bildungsprojekte für Jugendliche zum Thema der Judenrettung in Deutschland und Polen veranstaltet wurden und werden, welche Bildungseinrichtungen sich mit dieser Thematik beschäftigen, welche Motivationen die Organisatoren haben und welche Lehrmaterialien bis jetzt entwickelt wurden. Das Dissertationsprojekt soll damit einen Beitrag zu Geschichtsdidaktik leisten, indem sich die Arbeit mit der in der Lehre eingetretenen Perspektivenveränderung zum Thema der Judenrettung in Polen und Deutschland befasst. Die Ergebnisse der Studie werden in der Zukunft den Organisatoren dieser Bildungsprojekte zur Verfügung gestellt.

 

  • mgr Sophie Straube

Geb. 1984 in Weilheim i. OB. 2004-2007 Bachelorstudium der Deutsch-Französischen Studien an den Universitäten Regensburg und Clermont-Ferrand II. 2007-2010 Masterstudium der Ost-West-Studien an der Universität Regensburg mit den Schwerpunktfächern Geschichte Südost- und Osteuropas sowie Vergleichende Kulturwissenschaft (gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes und ein Stipendium nach dem Bayerischen Begabtenförderungsgesetz), Masterarbeit zum Thema „Der polnische Freiheitskampf und die deutsche Solidaritätsbewegung des Vormärz im deutsch-polnischen Europadiskurs: Chancen für einen transnationalen Erinnerungsort?“ (ausgezeichnet mit dem 1. Förderpreis des Generalkonsulats der Republik in Polen in München 2010). Seit Oktober 2010 Promotion zum Thema „Polen und die US-amerikanische Polonia seit 1989: Diskurse über Nation und Diaspora“ (Betreuer: Prof. Dr. Martin Aust, Förderung: Konrad-Adenauer-Stiftung).

Betreuung: Prof. Dr. Martin Aust

Förderung: Konrad-Adenauer-Stiftung

1989 sah sich die neu entstehende Dritte Polnische Republik einer der weltweit größten Diasporen gegenüber. Zugleich blickt das postsozialistische Polen auf eine über hundertjährige Geschichte zurück, in der sich das ambivalente Beziehungsfeld zwischen den politischen und gesellschaftlichen Eliten in Polen und der sog. Polonia wiederholt als wirkungsmächtiges Gestaltungsmoment der Geschicke des Landes darstellte. Der systempolitische Umbruch 1989 – so die zentrale Ausgangsthese des Dissertationsvorhabens – markiert zweifelsohne auch für das Verhältnis zwischen Polen und Auslandspolen eine Zäsur. Deren Wirkung auf den Stellenwert der Polonia im weiteren Verlauf der Entwicklungen will das Projekt am Beispiel der wandelnden Wahrnehmungsmodi zwischen Polen und der zahlenstarken, traditionell national-politisierten US-amerikanischen Polonia untersuchen.

Welche Bedeutung wird der Diaspora im politischen und gesellschaftlichen Denken des neuen demokratischen, zunehmend euroatlantisch integrierten Polen zugesprochen? Welche Stellung schreibt sich auf der anderen Seite die Polonia selbst zu – nun, da mit der Wiedererrichtung eines unabhängigen, demokratischen polnischen Staates in gesicherten Grenzen das langjährige Hauptziel ihrer politischen Agenda erreicht ist? Und wie konstituiert sich in Transfer und Spannungsfeld beider Perspektiven das Verhältnis zwischen Diasporarepräsentationen und dem Selbstverständnis der Dritten Polnischen Republik?

Das Dissertationsvorhaben begegnet diesen Fragen diskursgeschichtlich und greift in Zusammenführung der polnischen und auslandspolnischen Perspektive Ansätze auf, die zugleich verflechtungsgeschichtlich operieren. Es wird dabei von der Annahme geleitet, dass die diskursive Konstruktion von Diaspora nicht allein der longue durée kulturell tradierter Vorstellungen von nationaler Gemeinschaft unterliegt. Vielmehr möchte es untersuchen, inwieweit kurzfristig die Abwägung des momentanen Nutzen- oder Schadenspotentials einer polnisch-auslandspolnischen Einheit den Grad der öffentlichen Akzeptanz eines grenzüberschreitenden Gemeinschaftsbewusstseins reguliert. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der wechselseitigen Verhandlung der praktischen Qualität von Diaspora als transnationaler Akteur.

Gestützt auf eine repräsentative Auswahl polnischer und auslandspolnischer Tageszeitungen sowie politischer Dokumente geht das Projekt den Wirkungen dieser Ressourcenorientierung im polnisch-auslandspolnischen Beziehungsgefüge im Verlauf und in der Folge des Jahres 1989 nach. Dadurch möchte es zugleich verdeutlichen, dass Transformation und euroatlantische Integration in Polen wesentlich in transnationalen Konstellationen verliefen und grenzüberschreitend Rückkoppelungseffekte zeitigten, die mit den amerikanischen Polonia-Eliten auch eine außereuropäische Tragweite innehatten. In dieser Perspektive ist das Dissertationsvorhaben nicht zuletzt mit dem Desiderat verbunden, die Verortung polnischer Geschichte in transnationalen und globalen Zusammenhängen zu befördern und ihr in den entsprechenden Fachdiskussionen zu erhöhter Aufmerksamkeit zu verhelfen.



  • mgr Dorothea Straupe

Geboren 1983 in Lüneburg. 2004-2007 Studium der Politikwissenschaft, Englischen Literaturwissenschaft, Psychologie und Philosophie an der Universität Passau. 2007-2008 Auslandsaufenthalte an der Universität Sheffield und der Katholischen Universität Lublin. 2008-2011 Studium der Politikwissenschaft, Englischen und Polnischen Literaturwissenschaft an der LMU München. 2007-2011 Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung. 2011 Magisterarbeit zum Thema „Polnische Geschichtskonstruktionen: Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan? – Mythisierung und Narrativisierung nach dem Flugzeugabsturz bei Smolensk“. Ab Oktober 2011 Promotion zum Thema „Kriegslegitimationen in Deutschland und Polen nach 1990“ (Betreuung durch Prof. Dr. Petra Stykow).

Betreuung: Prof. Dr. Petra Stykow

Förderung: Heinrich-Böll-Stiftung

Menschen erzählen Geschichten. Um sich selbst und der Umwelt Sinn zu verleihen, werden Ereignisse ausgewählt, miteinander verknüpft und in einen kausalen Zusammenhang gebracht, der oft auch als Legitimation für politische Entscheidungen dient. Kriegslegitimationen, d. h. Begründungen, Argumentationsstrukturen und legitimatorische Narrative für deutsche und polnische Beteiligung oder Nicht-Beteiligung an militärischen Einsätzen (v. a. Kosovo, Afghanistan, Irak), haben sich seit dem Ende des Ost-West-Konfliktes stark verändert und sich den verändernden internationalen Konflikten und gesellschaftlichen Bedingungen angepasst. In Deutschland und Polen ist der gemeinsame – wenn auch diametral verschiedene – Bezugspunkt für militärische Konflikte nach wie vor der Zweite Weltkrieg, dessen Erfahrung bis heute nachwirkende Folgen in der Begründung, Befürwortung oder Ablehnung von Einsätzen zeitigt.

Dieses Dissertationsprojekt soll sich vor dem Hintergrund der deutschen und polnischen Erinnerungspolitik nach 1990 verschiedenen Argumentationsmuster, Erzählstrategien, der Konstruktion und Veränderlichkeit von Narrativen sowie Begründungen von militärischen Einsätzen in der deutschen und polnischen Presse widmen, um einerseits die Bedeutung spezifisch nationaler Erfahrungen und die daraus abgeleiteten Schlüsse für aktuelle politische Entscheidungen herauszuarbeiten und andererseits Aufschluss über einen möglichen Wandel der Begründungen zu geben. Gerade angesichts der zunehmenden Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes sowohl in Deutschland als auch in Polen stellt sich die Frage nach der Überzeugungskraft, nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten der jeweiligen Begründungen.

Ausgehend von konstruktivistischen Annahmen über die Kreation und Veränderlichkeit von sinnstiftenden Narrationen sollen im Rahmen einer narrativen Diskursanalyse Strukturen, wiederkehrende (historisch geprägte) Motive, rhetorische Mittel, Argumentationen und Diskurskoalitionen herausgearbeitet werden. Die Grundlage der Analyse bildet eine repräsentative Auswahl von Artikeln aus deutschen und polnischen Tageszeitungen sowie Parlamentsdebatten aus Bundestag und Sejm, deren Vergleich auf mögliche Unterschiede zwischen Elitendiskurs und öffentlicher Diskussion abstellt.



  • mgr Tomasz Zapart

Geb. 1977 in Dębica (Polen). 2000-2008 Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Regensburg (Politikwissenschaft, Slawische Philologie, Neuere deutsche Literatur). 2004 mehrmonatiges Praktikum in der Rechtsabteilung des polnischen Generalkonsulats in München. 2004-2006 Unterbrechung des Studiums wegen Praktikum und Elternzeit. Seit 2009 Promotion zum Thema "Die Persistenz von Spaltungsstrukturen und ihre Auswirkungen. Polen aus der Perspektive des Zentrum-Peripherie-Cleavage seit 1918." 2009-2011 Stipendiat der Heinz und Sybille Laufer-Stiftung. Seit 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Lehreinheit für Vergleich politischer Systeme (Schwerpunkt GUS und Ostmitteleuropa)


Publikationen

  • http://www.pdme.geschichte.uni-muenchen.de/layout/symbole/square.gif); padding-left: 14px; background-repeat: no-repeat no-repeat; ">Die Bürgerplattform: Von der Bürgerbewegung zur Mitgliederpartei, gemeinsam mit Katarina Bader, in: OSTEUROPA, 61. Jg., 5–6/2011, S. 259–278.

 

Betreuung: Prof. Dr. Petra Stykow

Konflikte und Kontroversen können sich aus einer großen Zahl von gesellschaftlichen Beziehungen ergeben, aber nur wenige von ihnen sind geeignet, die politischen Kräfte in einem System zu polarisieren. In jedem System gibt es unter den möglichen Konfliktbedingungen eine Rangordnung, und diese ist nicht nur in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich, sondern sie hat auch die Tendenz, sich im Laufe der Zeit zu verändern. 
                                                                                                                        Stein Rokkan

Als Stein Rokkan 1965 diesen Befund in einer seiner zahlreichen Publikationen präsentierte, stand noch nicht fest, dass die zwei Jahre später, gemeinsam mit Seymour M. Lipset, veröffentlichte und auf diese Arbeit aufbauende Untersuchung der Spaltungsstrukturen die Politikwissenschaft im Allgemeinen und die politische Soziologie im Besonderen nicht nur revolutionieren, sondern auch nachhaltig prägen würde. Darin stellten sie fest, dass Spaltungen als dynamische Produkte von historischen Entwicklungsprozessen zu einer Schließung des Mobilisierungsmarktes nach 1918 führten und den politischen Wettbewerb in Westeuropa bis 1960 strukturierten bzw. einfrieren ließen (Freezing-These).

Die klassischen Spaltungsstrukturen sind dabei zunächst durch die Mechanismen der territorialen Konsolidierung der frühen Nationalstaaten nach dem Westfälischen Frieden 1648 vorstrukturiert worden, die Rokkan in seinem Modell und der Konzeptuellen Karte von Europa beschrieb (2000). Die sich daraus entwickelnde räumliche Hierarchie zwischen Zentren und Peripherien (nicht im Sinne von Spaltungsstrukturen) sowie die vier aufeinanderfolgenden kritischen Phasen der Geschichte bedingten die Entwicklung der Spaltungsstrukturen. Als Wendepunkte definieren die Autoren erstens die Reformation, zweitens die nationale Revolution, drittens die industrielle Revolution und viertens die internationale Revolution. Präziser gesprochen sind auf der einen Seite die beiden sozialen bzw. ökonomischen Cleavages (Stadt vs. Land; Arbeit vs. Kapital) direkte Produkte der industriellen Revolution, und auf der anderen Seite werden die kulturellen Spaltungsstrukturen (Zentrum vs. Peripherie; Staat vs. Kirche) unmittelbar auf die nationale Revolution zurückgeführt.    

Im Zuge von Tendenzen des Wertewandels (Postmaterialismus vs. Materialismus), der Denationalisierung sowie Globalisierung (Kosmopolitismus vs. Nationalismus) wurde das auf vier Dichotomien basierende klassische Cleavage-Konzept durch  zwei weitere Spaltungsstrukturen ergänzt (Inglehart 1977; Karvonen/Kuhnle 2001; Kriesi et al. 2008). Bartolini und Mair (1990) formulierten eine präzise Definition von Cleavages anhand von drei Indikatoren (Cleavage-Bewusstsein bzw. Gruppenidentität; Organisationaler Ausdruck; Objektive Interessensdiskrepanz), die sich als geeignetes Untersuchungswerkzeug etablieren konnten. Einen wichtigen Beitrag zur Vitalität dieses Ansatzes bedingte die Diskussion um die mögliche Transkription des Cleavage-Modells (Conceptual Travelling) auf die postsozialistischen Staaten Ostmitteleuropas (z.B. Lawson et al. 1999; Berglund et al. 2004; Tiemann 2008).

Während Rokkan sein Modell strukturtheoretisch ausrichtete, machte Sartori (1990) darauf aufmerksam, dass die Rolle der Akteure entscheidend für den Übersetzungsprozess der Spaltungen in politische Organisationen ist. Die Verbindung der strukturellen und akteurtheoretischen Perspektive hat Enyedi (2005/2010) aufgegriffen und weiterentwickelt. Während Haller und Höllinger (1995) Rokkan in der Debatte über räumliche Hierarchien verorten, unternimmt Zarycki (2007; 2009) den Versuch, die ursprüngliche Rokkansche Kausalität zwischen den beiden Strukturbegriffen der Spaltungsstrukturen (cleavage structures) und der Zentrum-Peripherie-Strukturen (centre-periphery structures) auf die Forschungsagenda zu bringen und sie zur Analyse Polens fruchtbar zu machen. Dass das Cleavage-Modell weiterhin in der Politikwissenschaft methodisch und konzeptionell kontrovers diskutiert wird, ist stellvertretend durch Franklin (2010) übersichtlich dargestellt worden.

Das Ziel dieser Arbeit ist, Polen aus der Perspektive der Zentrum-Peripherie-Spaltung  zu untersuchen und Gründe für die angenommene Persistenz dieses Cleavage aufzuzeigen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Rolle der Agency im Sinne von spaltungsstrukturrelevanten Aktionen der Eliteakteure zwischen 1918 und 2011. Soweit vorhanden, werden zur Unterstützung der Untersuchungsergebnisse in Bezug auf Gruppenidentität und objektiver Interessendiskrepanz Daten zur Wahlgeographie, Demographie und Sozioökonomie der Gesellschaft herangezogen. Damit wird in einer qualitativen Einzelfallstudie (single-case-study) die politische Geschichte Polens seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit (1918) bis zur Parlamentswahl (2011) anhand der Auswertung von prozessgenerierten sowie Sekundär- und Aggregatdaten analysiert. Im Allgemeinen werden Spaltungsstrukturen bzw. Cleavages im Rokkanschen Sinne (1967/2000) als konzeptuelles Bindeglied zwischen der Sozialstruktur und dem politischem System verstanden. Mit Hilfe eines Konzepttransfers (Sartori 1970) der Rokkanschen Erkenntnisse wird die polnische politische Geschichte seit 1918 anhand von 12 Stichproben (Wendepunkte) hinsichtlich relevanter Aktionen der Eliteakteure (agency) im Übersetzungsprozess von Spaltungsstrukturen analysiert. Es wird grundsätzlich angenommen, dass auch während der Absenz eines kompetitiven Parteiensystems der Elitenwettbewerb funktionierte sowie andere Typen intermediärer Akteure als Parteien Konfliktstrukturen umsetzten. Die Analyse der politischen Geschichte zeigt prima facie, dass die Persistenz der Zentrum-Peripherie-Spaltung zur Entwicklung einer klassischen Massenpartei der Peripherie verhalf (PSL; seit 1890), die Solidarność einigte und bis heute die Wahlgeographie zwischen dem sogenannten Polen A und Polen B beeinflusst (Zarycki 2009).